Automatisierte Personalsoftware lehnt Millionen an guten Kandidaten fälschlich ab

14. September 2021 — Michael Ilic

Bei immer mehr Firmen kommt künstliche Intelligenz auch im Personalwesen zum Einsatz und dadurch werden gute Kandidaten fälschlicherweise automatisch abgelehnt.

Automatisierte Personalsoftware lehnt Millionen an guten Kandidaten fälschlich ab

Es gibt unzählige Angebote auf dem Software Markt, die eine automatische Sortierung von Kandidaten und Lebensläufen durchführen. Dadurch sollen die Recruiter mehr Zeit haben sich auf die guten und passenden Kandidaten zu konzentrieren. Laut einem neuen Bericht der Harvard Business School aus den USA werden dadurch allerdings Millionen von passenden Kandidaten:innen automatisch abgelehnt. Auch in Deutschland wird diese Software bei großen Firmen eingesetzt.

Neben einer Vielzahl an Faktoren, die dafür verantwortlich sein können, dass jemand keinen Zugang mehr zum Arbeitsmarkt hat, scheint laut der Harvard Studie automatisierte Personalsoftware einer der größten zu sein. In den USA ist Software dieser Art bei 99% der Fortune 500 Firmen im Einsatz. Während Technologie das Bewerben auf eine Arbeitsstelle merkbar einfacher gemacht hat ist es sogleich auch einfacher geworden für Firmen Kandidaten:innen abzulehnen. Somit gibt es eine Vielzahl an Mitarbeitern:innen, die arbeiten wollen und können, aber keinen Zugang bekommen. Der Harvard Business School Bericht spricht hier von Hidden Workers, also versteckten Arbeitern.

Die genauen Abläufe wie Kandidaten:innen in diese Position kommen ist unterschiedlich und von der Software abhängig. Vereinfacht dargestellt liegt es aber an einer schlechten Klassifizierung der Bewerber:innen in Gut und Schlecht. Was jemanden zu einem schlechten Kandidaten:in machen kann ist zum Beispiel eine Lücke im Lebenslauf, die länger als sechs Monate ist. Dabei bekommt der/die Bewerber:in keine Chance den Grund dafür zu erklären, sondern wird ständig automatisch abgelehnt. Ob Gründe für diese Lücke zum Beispiel das Kümmern um ein krankes Familienmitglied ist, spielt keine Rolle. Besonders bitter wird es, wenn die Lücke im Lebenslauf durch eine Pandemie ausgelöst wurde und es keine freien Stellen gibt - dadurch fällt der/die Kandidat:in automatisch aus der Arbeitswelt und bekommt keinen Zugang mehr. Oft werden gewünschte Fähigkeiten von Bewerber:innen von Firmen falsch eingetragen: Sucht jemand eine/n Rezeptionisten:in, die ab und zu Formulare in den Computer eingeben muss kann dies dazu führen, dass die automatisierte Software alle Kandidaten:innen ohne IT Fähigkeiten ablehnt, auch wenn die sonstigen Anforderungen stimmen würden.

Beim Einsatz von automatisierter Software sollte man also Vorsicht walten lassen, um keinen Teufelskreis zu schaffen, der gute Arbeitskräfte im Markt versteckt. In einer Umfrage in der Harvard Business School Studie unter Vorständen wurde deutlich, dass diese Probleme bei 9 von 10 Befragten bekannt sind. Allerdings ist der Einsatz von Personalsoftware weiter am wachsen. Weltweit verdient der Markt an Recruitment Software $1.75 Milliarden USD in 2017 und wird sich Schätzungen zufolge bis 2025 auf $3.1 Milliarden USD verdoppeln. Somit wird der Einsatz von Software die automatisiert Kandidaten:innen tracked, Beziehungen mit ihnen aufbaut oder Checks und Tests durchführt nur weiter wachsen.