Eine Bilanz von DigitalPakt Schule nach 2 Jahren

17. Juni 2021 — Michael Ilic

Der DigitalPakt Schule sollte eine große Menge Fördermittel für Schulen bereitstellen, um diese Fit für die Zukunft zu machen. Doch was wurde wirklich erreicht und wo stehen wir heute?

Eine Bilanz von DigitalPakt Schule nach 2 Jahren

Im Jahr 2019 in Kraft getreten sollte der DigitalPakt Schule die Digitalisierung in Schulen vorantreiben. Dafür wurde sogar das Grundgesetz geändert um dies überhaupt zu ermöglichen, denn eigentlich haben die Bundesländer bei Bildung das Sagen. Ausgelegt auf 5 Jahre stehen dem Programm 7 Milliarden Euro an Fördergeldern zur Verfügung. Damit sollen digitale Medien, Infrastruktur und Geräte angeschafft werden, um unsere Schulen auf den neusten Stand zu bringen.

Während ursprünglich 5 Milliarden Euro für den Zeitraum von 2019 bis 2024 zur Verfügung gestellt wurden, hat die Regierung in der Corona-Pandemie die Summe um weitere 1.5 Milliarden aufgestockt. Davon sind 500 Millionen für Endgeräte für Schüler gedacht, 500 Millionen für Endgeräte für Lehrkräfte und 500 Millionen für IT Administration, die sich um die Technik in Schulen kümmern. Zu den 6.5 Milliarden Euro kommen jeweils noch 10 Prozent der Summe zusätzlich aus der Kasse der Länder, womit die gesamte Summe bei etwas über 7 Milliarden Euro liegt. Mit ca. 40.000 Schulen macht das 175.000 Euro pro Schule.

Die Fördergelder des Bundes sind aber hauptsächlich für Hardware und Software gedacht - um Lehrerbildung, Konzepte und deren Umsetzung sollen sich weiterhin die Länder kümmern. Leider führt dies mit aufwendigen Antragsverfahren dazu, dass bis Ende 2020 erst 1.3 Milliarden Euro bewilligt oder abgerufen wurden. Einzig die Mittel für Endgeräte wurde schnell und umfänglich ausgeschöpft, was durch die Pandemie bedingt vorangetrieben wurde. Ansonsten müssen die Schulen zuerst ein technisch-pädagogisches Konzept erarbeiten, in dem genau festgehalten wird was benötigt wird und wie der Einsatz ist. Dieses Konzept geht dann eine Instanz höher an die Schulträger, welche aus Gemeinden, Städten, Landkreise, Vereine oder Religionsgemeinschaften bestehen können. Diese bündeln die Anträge der Schulen und leiten einen Gesamtantrag an das jeweilige Bundesland weiter. Beim Bundesland werden die Anträge geprüft und falls sie bewilligt werden dürfen Geräte gekauft oder Software installiert werden. Allerdings erhalten die Schulen die Fördergelder erst dann, wenn die Installation in den Schulen vollständig abgeschlossen sind.

Es ist also wenig verwunderlich, wenn man hört, dass laut einer Umfrage im Dezember 2020 des Deutschen Schulbarometers unter Lehrern die Stimmung noch nicht positiver ist. Hier sagen 61 Prozent der Lehrkräfte, dass die Ausstattung ihrer Schule mit digitalen Medien schlecht sei. Auch Eltern geht die Digitalisierung zu langsam voran, was sich in einer Umfrage von Bitkom vom April 2021 gezeigt hat. Drei von vier Eltern sind demnach unzufrieden mit der Digitalisierung an Schulen. Der Wunsch der Eltern ist schnellere und mehr Investition in Endgeräte und Infrastruktur. Bestätigt wird das von einer im Mai 2021 vorgestellten Studie der Universität Göttingen, die festgestellt hat, dass immer noch nur 70 Prozent der Lehrkräfte Zugang zu WLAN haben und nur 50 Prozent der Schüler.

Allerdings ist eine reine Investition in Hardware nicht ausreichend. Auch die Weiterbildung von Lehrkräften muss deutliche Schritte nach vorne machen. Die meisten an den Schulen tätigen Lehrer sind selbst oft von der Technik überfordert und haben die Benutzung nicht gelernt. Der Einsatz von digitalen Lehrmaterialien war im Jahr 2018 auch nur bei 23 Prozent der deutschen Schulen üblich. Europaweit lag der Durchschnitt doppelt so hoch bei 45 Prozent. Daher sehen wir ein klaren Nachholbedarf in der Weiterbildung von Lehrkräften und einer Erweiterung von Lehrplänen, die Digitalisierung mit einschliessen. Digitalisierung darf nicht nur ein Mittel zur Vermittlung von klassischen Lehrinhalten sein, sondern muss selbst mehr im Mittelpunkt stehen, da es einen klaren Faktor im Berufsleben in Zukunft darstellt.